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Kalte Fernwärme und Wärmepumpen
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Der Begriff 'Kalte Fernwärme' klingt wie ein innerer Widerspruch, beschreibt aber ein System zum Transport von Energie in Form von Wärme auf niedrigem Temperaturniveau. Gerade dies in Verbindung mit Wärmepumpen kann für eine CO₂-minimierte Wärmeversorgung in urbanen Gebieten von besonderem Vorteil sein. |
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In den vergangenen Jahrzehnten wurde Fernwärme vielfach in der Kraft-Wärme-Kopplung genutzt um die unvermeidliche Abwärme der thermischen Stromerzeugung in fossil befeuerten Kraftwerken als Heizwärme für Gebäude zu verteilen. So konnte der geringe Nutzungsgrad der Primärenergie von rund einem Drittel bei alten und etwa der Hälfte bei neuen thermischen Kraftwerken zumindestens in der Heizperiode deutlich erhöht werden. Als Teil der notwendigen Maßnahmen zur Senkung der CO₂-Emissionen müssen jedoch diese thermischen Kraftwerke vom Netz genommen werden und können höchstens noch als Reserve-Kraftwerke mit geringen Betriebszeiten eingesetzt werden. Die Kraft-Wärme-Kopplung und die Abwärme-Verteil-Funktion der Fernwärme werden damit hinfällig. |
Mit Kohle, Öl oder Gas betriebene thermische Kraftwerke setzen Prinzip-bedingt nur einen Teil der Primäreenergie in elektrische Energie um und erzeugen eine große Menge Abwärme, die nach Möglichkeit genutzt werden soll. |
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Auf der anderen Seite müssen auch fossil betriebene Heizkessel in Zukunft durch Wärmeerzeuger mit geringen CO₂-Emissionen ersetzt werden. Ein besonders geeignetes Konzept dafür sind Wärmepumpen, die mit regenerativ erzeugtem Strom betrieben werden. Zur Funktion einer Wärmepumpe gehört jedoch auch eine externe Wärmequelle. In herkömmlichen Systemen sind das entweder das Erdreich bzw. das Grundwasser oder die Umgebungsluft, denen über einen jeweils geeigneten Wärmetauscher Wärme entzogen wird. Im ländlichen Raum mit geringer Bebauungs-Dichte ist es eher unproblematisch einen entsprechenden Wärmetauscher unterzubringen. Bei dichter städtischer Bebauung sind jedoch einerseits unbebaute Flächen für Wärmetauscher im Erdreich rar und andererseits fehlen auch geeignete Aufstell-Möglichkeiten für Luft-Wärmetauscher, zumal letztere erheblichen Lärm erzeugen können, insbesondere wenn sie platzsparend kompakt gebaut sind. Hier kommt die 'kalte Fernwärme' ins Spiel, bei der Wasser mit ungefähr Umgebungstemperatur durch die Leitungen strömt. An die 'kalte Fernwärme' angeschlossene Wärmepumpen können diese als Wärmequelle nutzen. Dem Fernwärme-Netz muß dazu an anderer Stelle Wärme zugeführt werden. |
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Der Clou der 'kalten Fernwärme' ist, daß sie nicht nur als Wärmequelle für heizende Wärmepumpen genutzt werden kann, sondern auch als Wärmesenke, die von kühlenden Wärmepumpen abgegebene Wärme aufnimmt. Wenn zur gleichen Zeit aus dem Netz Wärme zum Heizen entnommen wird und Wärme aus Kühlanlagen zugeführt wird, führt dies zu einem zumindest teilweisen Ausgleich. Nun fällt Witterungs-bedingt der Heizbedarf vorwiegend im Winter und der Kühlbedarf vorwiegend im Sommer an, also großenteils nicht gleichzeitig. Mit einem großen Reservoir als Jahreszeiten-Speicher kann dies überbrückt und ein Ausgleich hergestellt werden. |
Das 'Balanced Office Building' in Aachen wird über Wärmetauscher im Erdreich beheizt und gekühlt und ist so ausgelegt, daß die Wärmemengen zum Heizen und Kühlen im Jahresmittel etwa gleich groß sind. |
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Bisher überwiegt (in Mitteleuropa) im Jahresmittel der Heizbedarf gegenüber dem Kühlbedarf. Zukünftig ist zu erwarten, daß einerseits infolge des verbesserten Wärmedämmstandards der Heizenergiebedarf sinken wird und daß andererseits angesichts der globalen Erwärmung und häufigerer Hitzetage vermehrt in Gebäuden gekühlt werden muß. Vermutlich werden sich daher jährlicher Heizbedarf und jährlicher Kühlbedarf einander annähern, was vorteilhaft für den Betrieb eines kalten Fernwärmenetzes mit Jahrezeitspeicher ist. Mit einer überschlägigen Kalkulation soll das Potenzial dieses Ansatzes verdeutlicht werden: Nach Stillegung des Tagebaus Hambach im Rheinischen Braunkohlerevier soll das verbleibende Loch zu einem See mit etwa 3.5 km³ Volumen aufgefüllt werden. Wenn dieser See um 2 Grad erwärmt oder abgekühlt wird, entspricht das einer Wärmemenge von 8 TWh oder ungefähr dem jährlichen Heizenergiebedarf von 1 Million Menschen, also etwa der Einwohnerschaft von Köln. Das muß nicht heißen, daß die gesamte Stadt Köln an den See angeschlossen werden soll, zeigt aber, daß die Wärmekapazität des Sees als Jahreszeitspeicher für große Teile der umliegenden Städte Köln, Düsseldorf, Aachen, etc. ausreicht, wenn diese über ein kaltes Fernwärmenetz angeschlossen sind. Auf einen zukünftigen Hambach-See mit etwa 40 km² Oberfläche trifft jährlich eine solare Einstrahlung von rund 40 TWh, wovon ein großer Teil in den See eindringt, dort absorbiert wird und entnommene Heizwärme kompensiert. Dies kann auch geschehen, wenn auf einem Teil des Sees eine schwimmende PVT-Anlage installiert wird mit Kollektoren, die sowohl Strom erzeugen als auch Wärme abgeben. Nicht überall stehen derart große Speichervolumina wie im Rheinland zur Verfügung. Jedoch läßt sich die Kombination aus kaltem Wärmenetz mit Saisonspeicher und Wärmepumpen auch auf kleinere Dimensionen skalieren und ist daher vielerorts einsetzbar.
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by D. Hennings • www.eclim.de • |
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